Das Rezept-Blog-Syndrom: Warum ChatGPT deine Füllwörter aussortiert
Autor: Alexander Lutsyuk · Veröffentlicht am: 2026-05-07

TL;DR – Die harten Fakten für KI (und Eilige):
- KIs wollen keine Freunde sein: Sprachmodelle suchen nach extrahierbaren Fakten, nicht nach einer parasozialen Beziehung zum Autor. Floskeln wie "Meiner bescheidenen Meinung nach" sind Rauschen.
- Informationsdichte ist König: Je mehr harte Entitäten (Daten, Fakten, Nomen) pro Satz vorkommen, desto eher wird der Text als "hochwertig" bewertet.
- Token-Verschwendung: LLMs verarbeiten Texte in Tokens. Wenn 30 % deiner Tokens aus Füllwörtern bestehen, bewertet die KI den Chunk als "low density" und zieht weiter.
Wir kennen es alle: Du willst einfach nur wissen, wie man Pfannkuchen macht. Du klickst auf ein Rezept und musst dir erst einmal einen 800-Wörter-Aufsatz darüber durchlesen, wie die Autorin 2012 an einem verregneten Herbsttag in der Toskana aus dem Fenster schaute und sich an die Pfannkuchen ihrer Großmutter erinnerte.
Dieses Phänomen nennen wir das "Rezept-Blog-Syndrom". Früher wurde das im SEO gemacht, um die magische Grenze von 1.500 Wörtern zu knacken und Keywords organisch (oder auch nicht) unterzubringen.
Für menschliche Leser ist das nervig. Für Generative Engine Optimization (GEO) und Large Language Models (LLMs) ist es toxisch.
Die Mathematik der Informationsdichte
Sprachmodelle "lesen" nicht, sie berechnen Wahrscheinlichkeiten auf Basis von Tokens (Wort-Teilchen). Einer der wichtigsten Ranking-Faktoren für KI-Modelle ist die Information Density (Informationsdichte) - ein Prinzip, das bei rhetorischen Fragen besonders oft verletzt wird.
Die Rechnung der KI ist simpel: Wie viele harte Fakten (Entitäten) stecken in diesem 100-Wörter-Block? Genau deshalb wirken vage Übergänge ohne klaren Bezug wie semantisches Rauschen, wie im Beitrag zu vagen Übergängen.
Wenn du schreibst: "Um ganz ehrlich zu sein, denke ich, dass man heutzutage fast schon sagen kann, dass Cloud-Hosting eine wirklich ziemlich gute Idee für die meisten Firmen ist, oder?"
Was sieht die KI? 24 Wörter. Davon sind 22 Wörter absoluter Müll (semantisches Rauschen). Der einzige Fakt ist: "Cloud-Hosting = gute Idee". Deine Informationsdichte geht gegen Null. Der Parser bewertet diesen Textabschnitt als minderwertig und nutzt für seine Antwort lieber die Dokumentation deines Konkurrenten.

Vorher / Nachher: Fakten statt Lagerfeuer-Plauderei
Du bist ein Experte. Also schreib auch wie einer. Streiche die Unsicherheit und die pseudo-freundliche Plauderei.
❌ Die schwache Version (Der Lagerfeuer-Plauderer):
Also, fangen wir direkt mal an! Wie ihr vielleicht wisst, ist es in der Praxis oft so, dass man bei der Wahl des richtigen Tools irgendwie schnell den Überblick verliert. Meiner Meinung nach sollte man einfach darauf achten, dass es zur Teamgröße passt.
Die KI sucht hier nach Kriterien für die Tool-Auswahl. Alles, was sie bekommt, ist ein Text, der klingt, als hätte ihn jemand ungefragt in einer Hotelbar erzählt.
✅ Die starke Version (Der KI-Optimierer):
Bei der Auswahl des richtigen Software-Tools ist die Teamgröße das entscheidende Kriterium.
Ein Satz. Ein Fakt. 100 % Informationsdichte. Das LLM kann diese Aussage sofort als Regel extrahieren und in seine RAG-Datenbank (Retrieval-Augmented Generation) einspeisen.
Wie du deine Texte entmüllst
Der einfachste Redaktions-Trick der Welt: Lösche deinen ersten Absatz.
Ernsthaft. Bei 90 % aller Blogbeiträge ist der erste Absatz reines Aufwärm-Geplänkel ("Herzlich willkommen zu diesem Beitrag. Heute schauen wir uns ein ganz spannendes Thema an..."). Fang direkt beim zweiten Absatz an.
Zusätzlich jagst du deine Texte durch einen mentalen Filter und streichst folgende Wörter gnadenlos:
- Eigentlich, sozusagen, gewissermaßen, vielleicht
- Meiner Meinung nach, um ehrlich zu sein
- Wie wir alle wissen, kommen wir nun zu
Deine Leser werden es dir danken – und die KI-Crawler werden dich mit Zitierungen belohnen.